Annu Kenthirapalan
im Interview.

Heldengeschichten aus dem Alltag.

Weitere im Interview.

8 Fragen
8 Antworten.

01. Welches Ehrenamt machst du?

Ich bin seit 2014 ehrenamtlich beim Arbeiter-Samariter-Bund aktiv. Mit dem ASB Wünschewagen erfüllen wir schwerkranken Menschen ihre letzten Wünsche. Meine Aufgabe ist es, die Menschen zu betreuen, für Gespräche offen zu sein und ihnen einen möglichst schönen Tag zu ermöglichen.

Angefangen habe ich in Essen und habe dann in das ASB Wünschewagen-Team Münster gewechselt, als es dieses auch hier gab.

02. Was genau ist ein Wünschewagen und was sind dabei deine Aufgaben?

Wir möchten sterbenden oder schwerkranken Menschen ihren letzten Wunsch erfüllen, den sie eigenständig nicht mehr umsetzen könnten wie zum Beispiel ein Familienbesuch oder eine Fahrt ans Meer. Es fährt immer mindestens ein Rettungssanitäter, eine Pflegekraft und dann eine dritte Begleitkraft mit – das ist dann meine Aufgabe. Dazu können dann noch bei Bedarf Familienangehörige mitfahren.

Im Wagen selbst befindet sich eine Liege. Dann gibt es noch verschiedene Sitzmöglichkeiten, die wichtigste medizinische Ausstattung und ein Flatscreen, damit man sich dort beispielsweise nochmal Fotos vom Tag auf der Rückfahrt angucken kann. Dazu ist der Wünschewagen mit einer Musikanlage und einem simulierten Sternehimmel ausgestattet. Die Fenster des Wagens sind extra etwas tiefer, damit die Mitfahrenden gut nach draußen schauen und ihre Fahrt genießen können.

03. Wie oft fährst du beim Wünschewagen mit?

Das kann ich ganz frei entscheiden, je nachdem, wie viel Zeit ich habe. Das ist total super, da ich im Moment selber in meinem Studium recht viel zu tun habe. Und nicht nur da ist man total flexibel, sondern auch bei den Fahrten. Man kann sich selber aussuchen, ob man lieber bei einem Familienessen dabei wäre oder bei einem Fußballspiel. Unser Team macht durchschnittlich so 1-2 Fahrten pro Woche.

04. Welche Wünsche sind dir besonders in Erinnerung geblieben?

Die meisten wünschen sich einfach nur noch ein letztes Mal gemeinsam Zeit mit der Familie zu verbringen. Dann gibt es auch noch einige, die nochmal ins Fußballstadion gehen oder ans Meer fahren möchten. Ich war aber auch schon bei sehr ausgefallenen Events dabei, wie beim Phantom der Oper und in der Lichtburg in Essen (Kino) haben wir sogar Matthias Schweighöfer getroffen.

05. Aus welchem Grund engagierst du dich ehrenamtlich beim Wünschewagen?

Gerade bei meiner Tätigkeit als Krankenpflegerin ist mir aufgefallen, wie wenig Zeit man doch für seine Patienten hat. Es hat mich sehr gestört, immer nur von Zimmer zu Zimmer zu laufen und keine Zeit für einen Austausch zu haben. Im Wünschewagen kann ich mir endlich selbst die Zeit für andere nehmen und auch die Menschen hinter den Patienten kennenlernen.

06. Ist das nicht auch etwas traurig, wenn man weiß, dass das der letzte richtig schöne Ausflug ist?

Auf der einen Seite natürlich schon. Auf der anderen Seite gibt mir das natürlich auch total viel. Es ist sehr schön zu wissen, helfen zu können und den Menschen eine tolle Erinnerung zu ermöglichen. Dazu kommt eine ganz neue Perspektive, das relativiert die Dinge und gibt einem auch selbst mehr Zufriedenheit und Sinn im Leben. Man kann die „kleinen Dinge“, die einen selbst oft nerven wie das schlechte Wetter, nicht mehr so ernst nehmen. Nach einer solchen Fahrt bin ich auf jeden Fall immer total zufrieden und schätze, was ich habe.

Dazu kommt natürlich, dass viele Menschen genau an dem Tag die Krankheit mal völlig ausblenden können. Das Positive überwiegt und die Kräfte werden für den Tag mobilisiert. Man merkt einfach total, wie der Mensch nochmal richtig aufblüht. Das ist ein sehr schönes Gefühl.

07. Wie können Interessierte beim ASB Wünschewagen helfen?

Das ist eigentlich ganz leicht – einfach beim ASB-Wünschewagen-Team in der jeweiligen Region melden (Ansprechpartner und Kontaktdaten sind auf www.wuenschewagen.de zu finden). Dann muss man noch ein paar kurze Schulungen z. B. zur Technik und einen Erste-Hilfe-Kurs machen und dann kann man schon loslegen.

08. Was ist bei dir beim Ehrenamt-Check herausgekommen?

Bei mir ist als erstes Miss Sunshine (die Soziale) herausgekommen und danach CoachX. Beides passt total gut zu mir – und auch zu meiner Tätigkeit beim Wünschewagen.

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